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	<title>eText</title>
	<subtitle>Texte im digitalen und urbanen Raum</subtitle>
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	<updated>2006-12-31T04:01:45+01:00</updated>
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	<name>admin</name>
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	<rights>Copyright (c) 2006, Authors of eText</rights>
	
	
	
	<entry>
		<title>Vom gesprochenen Wort zur schriftlichen Sonde</title>
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		<updated>2006-12-31T04:01:00+01:00</updated>
		<published>2006-12-31T00:51:00+01:00</published>
		<id>tag:etext,2006:etext.67</id>
		<link rel="related" type="text/html" href=""  />
		<summary type="text">Wer für tausende von Menschen spricht tut dies - technische Hilfsmittel ausgeschlossen - vor - nun ja, - vielen Menschen. Wer für tausende von Menschen schreibt, tut dies allein. Vielmehr: er tat dies bis vor kurzem allein. Denn im Internet verwandelt sich der Text, der als Barriere den Autor vom Leser trennt in eine durchlässige Sonde.</summary>
        <content type="html" xml:lang="de" xml:base="http://www.etext.ch/archive/2006/12/31/vom_gesprochenen_wort_zur_schr"><![CDATA[
                Wer f&uuml;r tausende von Menschen spricht tut dies - technische Hilfsmittel ausgeschlossen - vor - nun ja, - vielen Menschen. Wer f&uuml;r tausende von Menschen schreibt, tut dies allein. Vielmehr: er tat dies bis vor kurzem allein. Denn im Internet verwandelt sich der Text, der als Barriere den Autor vom Leser trennt in eine durchl&auml;ssige Sonde.<p>
&quot;Ich schreibe ein Buch, das dereinst - so meine bescheidene Hoffnung - tausende Leser z&auml;hlen wird. Also, bitte sehr, verlassen Sie dieses Zimmer, ich muss allein sein&quot;, sagt Walter J. Ong, in einem <a href="http://libraries.slu.edu/sc/ong/digital/texts/lincoln/lincoln04_en.pdf">Manuskript aus dem Jahr 1973</a> (pdf, 131kB), auf welches das <a href="http://www.futureofthebook.org/blog/archives/2006/12/post_3.html">Blog des Institut for the Future of the Book</a> (mein aktuelles Lieblingsblog) k&uuml;rzlich hingewiesen hat.
</p>
<p>
Walter Ong - <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Walter_Ong">katholischer Geistlicher und Medienwissenschaftler</a> - geht es in dem Manuskript um den Unterschied zwischen jemandem, der spricht und sich dabei an ein k&ouml;rperlich gegenw&auml;rtiges, echtes Publikum wendet und jemandem, der einen Text schreibt und dabei ein lediglich fiktives Publikum im Kopf hat.
</p>
<p>
Linguisten, angefangen bei Ferdinand de Saussure, hielten lange Zeit &quot;Schriftlichkeit lediglich f&uuml;r einen direkten Abk&ouml;mmling des m&uuml;ndlichen Sprachgebrauchs und damit einer ausdr&uuml;cklichen Betrachtung f&uuml;r unw&uuml;rdig&quot; (<a href="http://www.etext.ch/archive/2006/12/11/reservate_in_der_informationsf">David Levy in &quot;Scrolling Forward&quot;</a>). Erst viel sp&auml;ter besch&auml;ftigten sich Derrida, Barthes, Foucault und eben Walter Ong mit den bedeutenden Unterschieden zwischen Schrftlichkeit und M&uuml;ndlichkeit.
</p>
<p>
Gesprochene Worte sind fl&uuml;chtig. Sie stellen dadurch automatisch eine gewisse N&auml;he her zwischen derjenigen, die sich spricht und dem, der sie h&ouml;rt. Sogar aufgenommene, technisch fixierte Klangworte wirken unmittelbar, direkt. Sie wurden m&ouml;glicherweise zwar weit weg gesprochen, aber in dem Moment, in dem sie abgespielt, freigelassen werden, musst du sie sofort verstehen, sonst sind sie weg.
</p>
<p>
Das Aufschreiben fixiert Worte. Sie k&ouml;nnen wieder und wieder entziffert werden, an (fast) jedem Ort, im eigenen Rhythmus, mit Marginalien versehen, verdaut, zerkaut. Doch je nachdem wohin die Worte geschrieben werden, unterscheidet sich ihre Stabilit&auml;t. Da ist nat&uuml;rlich zun&auml;chst der Fels, in den Strich um Strich gemeisselt wird, f&uuml;r alle zeit. Auch Papier ist zeimlich geduldig - s&auml;urefrei &uuml;berdauert es Jahrhunderte. Bis in die Gegenwart. Und da sind wir - ohne uns lange bei Pergamenten und den Feinheiten der Drucktechnik aufzuhalten - beim elektronischen Text angelangt. 
</p>
<p>
Was heute hier steht, in diesem Blog, unter dieser URL - wo ist es in einem Jahr? Hat der Autor Fehler korrigeirt, den Text ver&auml;ndert? Tut dies ein anonymer Bearbeiter? Hat jemand einen Kommentar geschrieben, wurde er wieder gel&ouml;scht? Kann man diese Geschichte irgendwie nachvollziehen? 
</p>
<p>
Sicher ist auch das Schreiben im Cyberspace ein Schreiben und somit von der M&uuml;ndlichkeit deutlich unterschieden. Doch das Publikum ist nicht mehr durch verschlungene Korrespondenzwege &uuml;ber Verlagssekretariate und Postf&auml;cher vom Autor getrennt. Das Publikum ist gleich unterhalb, im Kommentarfeld (bei einem Blog) oder etwas weiter oben, im Editierfeld (bei einem Wiki). 
</p>
<p>
&quot;Bitte sehr, verlassen Sie dieses Zimmer, ich muss allein sein&quot; - diese Aufforderung gilt beim Schreiben f&uuml;rs Internet nicht mehr, jedenfalls nicht mehr absolut. Mit der ver&auml;nderten Einstellung zum Publikum ver&auml;ndert sich auch die Funktion des Textes. Generell sprechen Dokumente - so kann man mit David Levy sagen - stellvertretend f&uuml;r ihren Autor. 
</p>
<p>
Doch Texte im Internet sind mehr als das. Sie strecken F&uuml;hler aus zu ihrem Publikum, und sie messen die Temperatur. Der Autor fixiert einen Gedanken und entl&auml;sst ihn in die &Ouml;ffentlichkeit. Dort l&ouml;st er eine Reaktion aus. Er wird vom Browser abgerufen - was sich in der Benutzerstatistik des Webservers niederschl&auml;gt. Er kann mit Kommentaren begr&uuml;sst, zur&uuml;ckgewiesen, oder (wie hier oft der Fall...) ignoriert werden. Er kann sogar - wenn er in einem Wiki publiziert wurde - korrigiert, erg&auml;nzt oder (was sehr selten vorkommt) gek&uuml;rzt werden. <br />
Der Text wandelt sich damit vom starren, geharrnischten Stellvertreter des Autors zur tastenden, pr&uuml;fenden Sonde. Gesprochene Worte sind manchmal genau das.</p>
		]]></content>
		<author>
			<name>Oliver</name>
		</author>
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		<title>Reservate in der Informationsflut</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="http://www.etext.ch/archive/2006/12/11/reservate_in_der_informationsf" />
		<updated>2006-12-30T23:25:00+01:00</updated>
		<published>2006-12-11T22:19:00+01:00</published>
		<id>tag:etext,2006:etext.66</id>
		<link rel="related" type="text/html" href=""  />
		<summary type="text">David M. Levy ist ein Experte nicht nur für Online-Medien, sondern auch für Buchbinderei und Kaligraphie. In einem Artikel, der kürzlich in First Monday erschienen ist, plädiert er für die Errichtung von Reservaten gegen die Informationsflut.</summary>
        <content type="html" xml:lang="de" xml:base="http://www.etext.ch/archive/2006/12/11/reservate_in_der_informationsf"><![CDATA[
                David M. Levy ist ein Experte nicht nur f&uuml;r Online-Medien, sondern auch f&uuml;r Buchbinderei und Kaligraphie. In einem Artikel, der k&uuml;rzlich in First Monday erschienen ist, pl&auml;diert er f&uuml;r die Errichtung von Reservaten gegen die Informationsflut.<p>Vor f&uuml;nf Jahren besch&auml;ftigte sich David M. Levy in einem sehr lesenswerten Buch (Scrolling Forward: Making Sense of Documents in the Digital Age) mit der Natur von Dokumenten. Er spannte dabei einen weiten Bogen von der antiken Pergamentrolle bis zum elektronischen Dokument des Programmierers. Levy bleibt dabei bemerkenswert vorurteilslos und immun gegen&uuml;ber allen Hypes der Dot-com-Jahre. Als Computerwissenschafter, der nach dem Studium in England Buchbinderei und Kaligraphie erlernte, kennt er beide Welten bestens.</p><p>In seinem neusten Artikel (<a href="http://firstmonday.org/issues/special11_9/levy/#l7">More, Faster, Better: Governance in an Age of Overload, Busyness, and Speed</a>) spinnt Levy einen der F&auml;den weiter, den er in seinem Buch 2001 aufgenommen hatte: Was ist aus Vannevar Bushs Vision geworden, wonach des Internet (oder Memex, wie Bush die Mikrofilm-Variante des Internets 1945 nannte) dereinst die moderne Informationsflut in Schach halten wird. </p><p>Bushs Hoffnung muss wohl als widerlegt gelten, und so pl&auml;diert Levy heute daf&uuml;r, von der Umwelt- und Naturschutzbewegung zu lernen, und Reservate einzufordern, in denen der Mensch vor der Informationsflut verschont wird.</p>
		]]></content>
		<author>
			<name>Oliver</name>
		</author>
	</entry>
	
	
	
	<entry>
		<title>Wer schreibt die Wikipedia?</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="http://www.etext.ch/archive/2006/09/07/wer_schreibt_die_wikipedia" />
		<updated>2006-09-07T03:21:00+01:00</updated>
		<published>2006-09-07T00:56:00+01:00</published>
		<id>tag:etext,2006:etext.65</id>
		<link rel="related" type="text/html" href=""  />
		<summary type="text">In der englischen Wikipedia gibt es über eine Million Artikel, in der deutschen sind es knapp die Hälfte. Geschrieben wurden sie von mehr als 2 Millionen registrierten Benutzern - und einer unbekannten Anzahl anonymer Autoren. Wirklich aktiv sind zwar nur ein paar hundert oder tausend Wikipedianer. Doch die unzählbaren und oft vernachlässigten Gelegenheitsautoren sind  möglicherweise für den grössten Teil des versammelten Wissens verantwortlich.</summary>
        <content type="html" xml:lang="de" xml:base="http://www.etext.ch/archive/2006/09/07/wer_schreibt_die_wikipedia"><![CDATA[
                <p>In der englischen Wikipedia gibt es &uuml;ber eine Million Artikel, in der deutschen sind es knapp die H&auml;lfte. Geschrieben wurden sie von mehr als 2 Millionen registrierten Benutzern - und einer unbekannten Anzahl anonymer Autoren. Wirklich aktiv sind zwar nur ein paar hundert oder tausend Wikipedianer. Doch die unz&auml;hlbaren und oft vernachl&auml;ssigten Gelegenheitsautoren sind  m&ouml;glicherweise f&uuml;r den gr&ouml;ssten Teil des versammelten Wissens verantwortlich.</p><p>Wer Schreibt die Wikipedia? <a href="http://www.aaronsw.com/weblog/whowriteswikipedia">Das fragt</a> Aaron Swartz (Der Beitrag wurde von einem Wikipedianer bereits <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Benutzer:Avatar/Wer_schreibt_die_Wikipedia">auf Deutsch</a> &uuml;bersetzt). &quot;...&uuml;ber 50% aller &Uuml;berarbeitungen [werden] von nur 0.7% der Benutzer durchgef&uuml;hrt&quot; lautet (gem&auml;ss Swartz) die Antwort des Wikipedia-Gr&uuml;nder Jimbo Wales. Das &uuml;bertrifft sogar die verbreitete 80/20-Regel, wonach 80% der Arbeit von 20% der Benutzer geleistet wird. &quot;Tats&auml;chlich sind die 2% der aktivsten Benutzer - das sind 1400 Personen - f&uuml;r 73.4% aller &Uuml;berarbeitungen verantwortlich.&quot; Die restlichen 25% stammten, so Wales weiter &quot;von Leuten, die ... eine kleine Berichtigung, die Korrektur eines Rechtschreibefehlers ... oder etwas &auml;hnliches ... beigetragen haben.&quot; </p><p>Doch Swartz - mit 14 Jahren Co-Autor der RSS 1.0-Spezifikation, Jungunternehmer und gegenw&auml;rtig Kandidat f&uuml;r das <a href="http://meta.wikimedia.org/wiki/Elections_for_the_Board_of_Trustees_of_the_Wikimedia_Foundation%2C_2006/De">Kuratorium der Wikimedia Foundation</a> - traut den Antworten Wales nicht und beginnt selbst zu recherchieren. </p><p>Er schaute sich die &Uuml;berarbeitungsgeschichte eines &quot;typischen&quot; Artikels an - denjenigen &uuml;ber den Schauspieler <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Alan_Alda">Alan Alda</a>. Der Artikel ist seit dem 4 April 2001 in rund 400 Schritten von zwei S&auml;tzen auf rund 1500 W&ouml;rter angewachsen (ganz typisch ist der Artikel nicht - im Mittel wird eine Seite nur rund 18 mal bearbeitet).<br /> </p><p>Swartz identifiziert f&uuml;nf Vandalenakte. Die Mehrheit der &Uuml;berarbeitungen betrifft kleine Korrekturen, Formatierungen, Links, etc. Das passt ganz gut zu Wales Aussagen. Auch die Tatsache, dass nur wenige Beitr&auml;ge den Artikel substanziell erg&auml;nzten. </p><p>Allerdings gibt  es da eine wesentliche Unstimmigkeit: Diese inhaltlich wesentlichen Beitr&auml;ge stammen in kaum einem Fall von &quot;eingeschworenen&quot; Wikipedianern. Im Gegenteil, die Autoren haben typischerweise nur etwa 10 &Uuml;berarbeitungen geleistet, die meisten besitzen nicht einmal ein eigenes Benutzerkonto.</p><p>Nun beginnt Swartz mit einer etwas systematischeren Analyse an einigen zuf&auml;llig ausgew&auml;hlten Artikeln. Er z&auml;hlte jedoch nicht die Anzahl der &Uuml;berarbeitungen (insgesamt sollen es 60 Milliarden sein), sondern die Anzahl Buchstaben, die ein Benutzer beigesteuert hat. Von den 10 Autoren, die am meisten Text f&uuml;r den Alan Alda-Artikel geschrieben haben, sind nur 2 registrierte Benutzer; 6 von ihnen haben auf der gesamten Wikipedia weniger als 25 &Uuml;berarbeitungen beigesteuert und einer von ihnen nur eine einzige. </p><p>Auch wenn Swartz seine Untersuchung nicht sehr sauber dokumentiert, scheint mir das Bild doch einleuchtend: Bei Wikipedia existiert eine differenzierte Rollentrennung, die &uuml;ber das bekannte  Schema &quot;Vandalen&quot; gegen &quot;Bewahrer&quot; hinausgeht. </p><p>Autoren steuern substanzielle Beitr&auml;ge in Rohform bei, die dann von Redakteuren redigiert, korrigiert und formatiert werden. Im Unterschied zur <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:Benutzer">fixen Rolleneinteilung</a> in &quot;Admins&quot;, &quot;B&uuml;rokraten&quot;, &quot;Stewards&quot; etc., wie sie die Wikipedia kennt,<span style="background-color: #ffff66"></span><span style="background-color: #ffff66"></span> werden<span style="background-color: #ffff66"></span> Autoren und Redakteure jedoch formal<span style="background-color: #ffff00"></span> nicht unterschieden.</p><p>F&uuml;r die Wikipedia sind die Schlussfolgernungen dennoch bedeutend. Swartz schreibt: </p><blockquote><p>&quot;Wenn Wikipedia von Gelegenheitsautoren geschrieben wird, dann m&uuml;ssen wir um ihr Wachstum zu f&ouml;rdern, das gelegentliches Schreiben einfacher und lohnender gestalten. Anstatt zu versuchen, mehr Arbeit aus denjenigen herauszuquetschen, die ihr halbes Leben Wikipedia widmen, sollten wir die Basis derjenigen erweitern, die nur ein klein wenig beitragen.&quot; </p></blockquote><p>Das Entscheidende an Wikipedia ist m&ouml;glicherweise nicht nur der Prozess des freien &Uuml;berabeitens, sondern die niedrige Eintrittsschwelle, die einer grosse Vielfalt von Quellen zur Beteiligung einl&auml;dt. Dass mit der Repr&auml;sentation hier noch einiges im Argen liegt, demonstriert das  Wahlprozedere zum Wikimedia-Kuratorium: Wer als Gelegenheitsautor versucht, sich an der Wahl zu beteiligen, bekommt die <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:Boardvote/vote">Auskunft</a>: </p><blockquote><p>Du bist nicht eingeloggt. Um abstimmen zu k&ouml;nnen, musst du eingeloggt sein und ein Benutzerkonto verwenden, mit dem bereits vor dem Stichtag (00:00, 1. Aug 2006) mindestens 400 Bearbeitungen gemacht wurden.  </p></blockquote>
		]]></content>
		<author>
			<name>Oliver</name>
		</author>
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	<entry>
		<title>Filter-Journalismus</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="http://www.etext.ch/archive/2006/08/02/filterjournalismus" />
		<updated>2006-08-02T01:48:00+01:00</updated>
		<published>2006-08-02T00:42:00+01:00</published>
		<id>tag:etext,2006:etext.64</id>
		<link rel="related" type="text/html" href=""  />
		<summary type="text">Was unterscheidet Journalisten von Bloggern? Die einen recherchieren, die anderen kopieren - so die eine Antwort. Die einen tuns für Geld, die anderen aus Idealismus lautet eine andere. Doch was, wenn ein Nachrichtenportal Geld bezahlt fürs Setzen von Links?</summary>
        <content type="html" xml:lang="de" xml:base="http://www.etext.ch/archive/2006/08/02/filterjournalismus"><![CDATA[
                <p>Was unterscheidet Journalisten von Bloggern? Die einen recherchieren, die anderen kopieren - so die eine Antwort. Die einen tuns f&uuml;r Geld, die anderen aus Idealismus lautet eine andere. Doch was, wenn ein Nachrichtenportal Geld bezahlt f&uuml;rs Setzen von Links?</p><p>Das Angebot, im Tausch gegen 150 Links jeden Monat 1000 Dollar zu verdienen richtet sich an die 50 popul&auml;rsten Benutzer von <a href="http://www.digg.com/">Digg</a> (oder anderen <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Social_Bookmarks">Social-Bookmarking</a>-Diensten).</p>  <p><strong>Nachrichten an die Oberfl&auml;che holen</strong></p>  <p>Wer bei digg mitmacht, liest online jede Menge Nachrichten und l&auml;sst andere am eigenen kritischen Urteil teilhaben. Das funktioniert so: Wer im Web eine besonders interessante Geschichte findet, schickt den Link an digg.</p>  <p>Bei digg lesen andere (etwas suchfaulere) Leser diesen unerm&uuml;dlichen <a href="http://www.digg.com/view/all/upcoming/">Strom (mehr oder weniger) interessanter Geschichten</a> und geben ihrerseits Empfehlungen ab.</p>  <p>Nachrichten, die von vielen Benutzern empfohlen werden, landen auf der <a href="http://www.digg.com/view/all">Einstiegsseite von digg</a>. Solche, die sehr viele Empfehlungen auf sich ziehen landen ganz weit oben, was wiederum die Chancen dieser Titelgeschichten verbessert, oben zu bleiben oder noch h&ouml;her zu steigen.</p>  <p>Der ganze Destillations- oder Filterprozess wird ohne Redaktion von Lesern geleistet und zwar v&ouml;llig unentgeltlich.</p>  <p><strong>Geld f&uuml;rs Lesen</strong></p>  <p>Das <a href="http://www.calacanis.com/2006/07/18/everyones-gotta-eat-or-1-000-a-month-for-doing-what-youre/">Angebot, f&uuml;r Links zu zahlen</a> kommt von Netscape. Man kennt Netscape noch als Browser, doch seit der &Uuml;bernahme durch AOL versucht sich die Marke in erster Linie als Portal zu positionieren.</p>  <p>Bis vor wenigen Wochen sah <a href="http://web.archive.org/web/20050330094146/http://www.netscape.com/">www.netscape.com wie ein ordentliches Portal</a> aus. Doch dann hielt digg Einzug: was seit dem 29. Juni 2006 auf der Homepage von Netscape erscheint, wird nach dem selben Bewertungsmechanismus bestimmt wie bei digg (was &uuml;brigens <a href="http://tech.netscape.com/story/2006/06/29/netscapes-blunder/">nicht jedermann gef&auml;llt</a> - als Geschichte schaffte es dieser Kommentar prompt zuoberst auf die Homepage).</p>  <p>Doch damit nicht genug. Vor einigen Tagen hat Jason Calcanis, der zuerst <a href="http://www.weblogsinc.com/">Weblogs Inc.</a> gr&uuml;ndete und jetzt Netscape steuert, der Community von <a href="http://www.calacanis.com/2006/07/18/everyones-gotta-eat-or-1-000-a-month-for-doing-what-youre/">digg ein Angebot gemacht</a>, oder vielmehr nur den 50 popul&auml;rsten Benutzern (das Angebot gilt auch f&uuml;r die &auml;hnlichen Communities von <a href="http://reddit.com/">reddit</a> und <a href="http://www.newsvine.com/">newsvine</a> sowie von <a href="http://del.icio.us/">del.icio.us</a>):</p>  <blockquote><p>Before launching the new Netscape I realized that Reddit, NewsVine, Delicious, and DIGG were all driven by a small number of highly-active users. I wrote a blog post about what drives these folks to do an hour to three hours a day of work for these sites which are not paying them for their time.</p><p>[...]</p><p>I have an offer to the top 50 users on any of the major social news/bookmarking sites:</p><p style="margin-bottom: 0cm">We will pay you $1,000 a month for your &quot;social bookmarking&quot; rights. Put in at least 150 stories a month and we&#39;ll give you $12,000 a year.</p></blockquote>        <p>Das Angebot ist auf eine ganze Menge Echo gestossen &ndash; von erz&uuml;rnter Ablehnung bis zu devoter Beflissenheit, wie aus den <a href="http://www.calacanis.com/2006/07/18/everyones-gotta-eat-or-1-000-a-month-for-doing-what-youre#comments">Kommentaren<span style="background-color: #ffff66"></span></a> zu Calcanis Beitrag <span style="background-color: #ffff66"></span><span style="background-color: #ffff66"></span><span style="background-color: #ffff66"></span>ersichtlich ist. Der Digger &quot;Geekforlife&quot; bietet sein <a href="http://cgi.ebay.com/ws/eBayISAPI.dll?ViewItem&amp;ih=014&amp;item=330013322157&amp;rd=1&amp;sspagename=STRK%3AMESE%3AIT&amp;rd=1">Profil in den Top 100 sogar zum Kauf</a> an (Angebot am 1. August 2006: 710 Dollar bei eBay).</p>  <p><strong>Filter-Journalismus: ein n<span style="background-color: #ffff66"></span><span style="background-color: #ffff66"></span><span style="background-color: #ffff00"></span><span style="background-color: #ffff66"></span>eues T&auml;tigkeitsfeld<span style="background-color: #ffff66"></span></strong> </p><p>Der strategische Schachzug, beim Konkurrenten nicht nur den Mechanismus zu kopieren, sondern auch gleich die wichtigsten Opinion-Leader abzuwerben, mag gelingen oder nicht. Interessant finde ich in jedem Fall, dass sich im Prozess der Nachrichtenproduktion f&uuml;r Laien ein neues T&auml;tigkeitsfeld abspaltet: das des Nachrichten-Filters.</p>  <p>&Auml;hnlich wie Laien als B&uuml;rger-Journalisten (idealerweise) gewisse Aufgaben des (Lokal-)Reporters &uuml;bernehmen, indem sie vor Ort ihre Eindr&uuml;cke aufzeichnen und &uuml;bermitteln, fungieren nun <span style="background-color: #ffff66"></span><span style="background-color: #ffff66"></span>(Laien-)Leser als Redaktoren bei der Themenauswahl.</p>        <p style="margin-bottom: 0cm">Und das gleiche Bild, wenn es um Geld geht: <span style="background-color: #ffff00"></span><span style="background-color: #ffff66"></span><span style="background-color: #ffff66"></span><span style="background-color: #ffff66"></span><span style="background-color: #ffff66"></span><span style="background-color: #ffff66"></span><span style="background-color: #ffff66"></span>So wie gewisse Medienunternehmen ihre<span style="background-color: #ffff66"></span> B&uuml;rger-Reporter finanziell entsch&auml;digen<span style="background-color: #ffff66"></span><span style="background-color: #ffff66"></span><span style="background-color: #ffff66"></span><span style="background-color: #ffff66"></span>, so zahlt Netscape Geld f&uuml;rs Lesen<span style="background-color: #ffff66"></span> &ndash; auch wenn die Jobs von kurzer Dauer sein k&ouml;nnten: M&ouml;glicherweise dienen die bezahlten Filter-Journalisten lediglich als G&auml;rhilfe, bis sich die neue Community selbst um ihre Nachrichten k&uuml;mmert, wie <a href="http://contentious.com/archives/2006/07/25/professional-bookmarking-new-road-expect-bumps">Amy Gahran</a> anregt.<span style="background-color: #ffff66"></span></p>
		]]></content>
		<author>
			<name>Oliver</name>
		</author>
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		<title>Schreiben im sich auflösenden Cyberspace</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="http://www.etext.ch/archive/2006/06/16/schreiben_im_sich_aufloesenden" />
		<updated>2006-06-16T02:26:00+01:00</updated>
		<published>2006-06-16T01:22:00+01:00</published>
		<id>tag:etext,2006:etext.63</id>
		<link rel="related" type="text/html" href=""  />
		<summary type="text">Wer liest, tut dies in einem ganz bestimmten Raum. Je mehr ich als Autor über den Raum weiss, in dem mein Text gelesen wird, desto einfacher kann ich meinen Leser führen. Das Ende des Cyberspace als "beinahe-Raum" macht diese Aufgabe noch schwieriger.</summary>
        <content type="html" xml:lang="de" xml:base="http://www.etext.ch/archive/2006/06/16/schreiben_im_sich_aufloesenden"><![CDATA[
                Wer liest, tut dies in einem ganz bestimmten Raum. Je mehr ich als Autor &uuml;ber den Raum weiss, in dem mein Text gelesen wird, desto einfacher kann ich meinen Leser f&uuml;hren. Das Ende des Cyberspace als &quot;beinahe-Raum&quot; macht diese Aufgabe noch schwieriger.<p>Webtexte sind keine Texte wie alle andere, denn sie werden unter Bedingungen gelesen, die sich radikal von gedruckten Texten unterscheiden: Die Begegnung mit ihnen ist oft unvermittelt, aus einer Suchmaschine heraus, ohne Empfehlung durch einen Verlag, einen Buchh&auml;ndeler. Der Umfang eines Webtextes l&auml;sst sich nicht erf&uuml;hlen wie bei einem Papierstapel, das Schriftbild am Bildschirm ist unscharf. Kurz: </p><p>Webtexte sind Computer-Texte. Und Computer stehen auf einem Schreibtisch, im B&uuml;ro oder Arbeitszimmer. Die St&uuml;hle, auf denen ihre Benutzer sitzen sind unbequem, das Licht ist ungem&uuml;tlich. <font face="Tahoma" size="2" color="#000000">Nur logisch, bezeichneten       Jonathan and Lisa Price das Internet in ihrem Buch &quot;<a href="http://www.webwritingthatworks.com/CPRESS02.htm">Hot Text! Web Writing that Works</a>&quot; als &quot;kaltes&quot; Medium.</font></p><p><font face="Tahoma" size="2" color="#000000"></font>So sah das Lesen von Webtexten f&uuml;r uns alle aus, <font face="Tahoma" size="2" color="#000000">bis vor einigen Jahren. Doch diese konstante Erfahrung beim Eintritt in den Cyberspace erodiert. Webtexte werden immer &ouml;fter unterwegs gelesen, auf Handhelds, PDAs und Handys, in allen m&ouml;glichen Situationen und &uuml;berall - vom Strand bis zum Sitzungszimmer, vom Zugsabteil bis zum Schlafzimmer. Dieses Ph&auml;nomen des &quot;ubiquitous computing&quot; (einer der zahlreichen Begriffe) bringt gar den Begriff &quot;Cyberspace&quot; selbst <a href="http://www.wired.com/wired/archive/14.02/start.html?pg=10">in Bedr&auml;ngnis</a> (ausf&uuml;hrlich und klug dokumentiert auf </font><a href="http://www.endofcyberspace.com/">The End of Cyberspace</a>). </p><p>Doch war der Cyberspace jemals ein Raum? Der Naturwissenschaftler in mir l&auml;sst keinen Zweifel: &quot;Cyberspace&quot; ist bestenfalls eine Metapher und kann sich niemals mit der Realit&auml;t des physischen Raums vergleichen. </p><p>Doch aufgepasst: der Raum unseres ersten Gedanken, durchstochen von seinem kartesisches Koordinatensystem ist durchaus nicht die einzig m&ouml;gliche Raumvorstellung und ziemlich sicher nicht einmal die &auml;lteste. Vermutlich waren fr&uuml;here Raumvorstellungen eher von Landmarken und Wegzeiten bestimmt. Welche Marken sich einpr&auml;gen und zur Orientierung eignen ist von den Lebensumst&auml;nden gepr&auml;gt, die Geschwindigkeit der Fortbewegung von der Technik abh&auml;ngig. Man kann so weit gehen, von der <a href="http://www.jy-martin.fr/article.php3?id_article=132">Produktion des Raumes</a> zu sprechen. Jede Kultur konstruiert unter ihren spezifischen Lebensbedingungen eine eigene Raumvorstellung.</p><p>Damit unterscheidet sich der physische Raum pl&ouml;tzlich gar nicht mehr so sehr vom Cyberspace, denn dieser l&auml;sst sich am besten beschreiben als ein B&uuml;ndel von gewissen Routinen und Praktiken. Ein Beispiel illustriert dies:</p><div style="margin-left: 40px">&quot;[...] around 1992 and 1993 [...] getting online was hard. It could take an hour to establish a TCP/IP connection -- an hour of hitting the redial button, and watching the little green lights flicker on the modem [...], waiting for that magic sound of the handshake between my modem and the network&#39;s.  In short, going online had the feeling of travel.&quot; (<a href="http://www.endofcyberspace.com/2006/01/when_going_onli.html">Alex Soojung-Kim Pang</a>)<br /></div><p>&Auml;hnlich wie die Vorstellungen vom physischen Raum k&ouml;nnen sich auch diese Praktiken des Cyberspace wandeln:</p><p style="margin-left: 40px">&quot;My own sense of &quot;borderline crossing&quot; between regular space and cyberspace definetely <em>ended</em> with the introduction of a broadband internet connection at my house, and the following introduction of different online <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Widget_%28computing%29">widgets</a> on my desktop, combined with the adaptation of webapps for most of my computing needs.&quot; (Andreas Andersen in einem Kommentar auf <a href="http://www.endofcyberspace.com/2006/01/when_going_onli.html">The End of Cyberspace</a>) </p><p>Allerdings ist die Einheit dieser Erfahrung - das B&uuml;ndel von Praktiken - gef&auml;hrdet, da die Vermischung immer gr&ouml;sser wird: </p><p style="margin-left: 40px">What really got me to notice the new situation was when my connection suddenly failed one day. I couldn&#39;t work, I couldn&#39;t communicate, I couldn&#39;t check the weatherforecast, and I couldn&#39;t remember what my appointments were for the next day. I felt disconnected from central parts of my own everyday life - not just disconnected from a separate space. (Fortsetzung des Kommentars von Andreas Andersen)</p><p>F&uuml;r Webtexte heisst die Aufl&ouml;sung des Cyberspace als eine feste soziale Praxis, dass noch weniger vorausberechnet werden kann, in welcher Situation ein Text gelesen wird. Es braucht noch mehr Orientierungshilfen. <font face="Tahoma" size="2" color="#000000"> </font></p><p><font face="Tahoma" size="2" color="#000000"></font>Interessante Diskussionen zum Ortscharakter des Cyberspace finden sich auch bei <a href="http://www.hum.dmu.ac.uk/blogs/wdl/2006/05/is_cyberspace_fast_or_slow.html">Writing &amp; the Digital Life</a> (danke <a href="http://starkcontent.typepad.com/blog/">Robert</a> f&uuml;r den Tipp) und rund um die Frage, ob <a href="http://netpublics.annenberg.edu/kvarnelis/blog/is_myspace_a_place">MySpace ein Ort</a> sei.</p>
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		<author>
			<name>Oliver</name>
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		<title>Kollaborative Atlanten</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="http://www.etext.ch/archive/2006/05/05/kollaborative_atlanten" />
		<updated>2006-05-28T23:35:00+01:00</updated>
		<published>2006-05-05T00:53:00+01:00</published>
		<id>tag:etext,2006:etext.62</id>
		<link rel="related" type="text/html" href=""  />
		<summary type="text">Im Juni 2005 öffnete Google seine Karten für Programmierer und alle anderen, die sich einen Zugangscode beschaffen und mit Technik umgehen können. Seither bemühen sich zahlreiche Dienste, Googles API so anzupassen, dass auch du und ich Karten beschriften und sie untereinander austauschen können. Ein Überblick.</summary>
        <content type="html" xml:lang="de" xml:base="http://www.etext.ch/archive/2006/05/05/kollaborative_atlanten"><![CDATA[
                Im Juni 2005 &ouml;ffnete Google seine Karten f&uuml;r Programmierer und alle anderen, die sich einen Zugangscode beschaffen und mit Technik umgehen k&ouml;nnen. Seither bem&uuml;hen sich zahlreiche Dienste, Googles API so anzupassen, dass auch du und ich Karten beschriften und sie untereinander austauschen k&ouml;nnen. Ein &Uuml;berblick.<p>Mit etwas Javascript und HTML kann man auf der eigenen Homepage eine individuell beschriftete Karte pr&auml;sentieren - so versprechen es die <a href="http://www.google.ch/search?q=google+maps+tutorial">unz&auml;hligen Tutorials</a>, die aus dem Boden geschossen sind, nachdem Google Ende Juni 2005  seine Programmieroberfl&auml;che (<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Programmierschnittstelle">API</a>) zug&auml;nglich machte.</p><p>Doch f&uuml;r durchschnittliche B&uuml;rger und Blogger war und ist das zu kompliziert. Die meisten von uns blieben deshalb interessierte Zaung&auml;ste, die aus Distanz beobachteten, wie Verbrechen, Tankstellen oder Immobilien Pilzen gleich aus den Karten schossen.</p><p>Doch das k&ouml;nnte sich allm&auml;hlich &auml;ndern. Schon rund und einen Monat nach &Ouml;ffnung des API traten Tagzania und Mapbuilder auf den Plan. Bei <a href="http://www.tagzania.com/">Tagzania</a> kann man <a href="http://www.tagzania.com/item/13883">jeden Fleck</a> der Erde mit einem Tag versehen. Die Karten kann man als iFrame in die eigene Homepage einbinden, die Tags und die Orte eines Users lassen sich als RSS abonnieren. Viel mehr Funktionalit&auml;ten gibt es nicht.</p><p>Bei <a href="http://www.mapbuilder.net">Mapbuilder</a> kann man komplexere eigene Karten herstellen. Einige Features sind allerdings kostenpflichtig - beispielsweise die M&ouml;glichkeit, einen Ortseintrag zu bebildern. Die Karte nimmt der Kunde als vorfabrizierten HTML/Javascript-Code mit. Um sie auf der eigenen Homepage anzeigen zu k&ouml;nnen, braucht er zuletzt noch den individuellen Zugangsschl&uuml;ssel von Google.</p><p>Tagzania und Mapbuilder zeigen die Spannweite der m&ouml;glichen Dienste an: Tagzania ist <strong>EIN Globus</strong>, alle Daten lagern bei Tagzania. Mapbuilder hortet dagegen gar keine eigenen Karten, der Dienst hilft vielmehr dabei, einzelne <strong>Kartenbl&auml;tter</strong> eines Atlases zu fabrizieren. Publiziert werden sie dann auf den Blogs und Homepages der Kartographen selbst mit Hilfe von Google.</p><p>Zwischen diesen Polen haben sich unterdessen verschiedene andere Dienste eingenistet. Hier ein (l&uuml;ckenhafter) chronologischer <strong>&Uuml;berblick</strong>:</p><p>Im August 2005 wurde <a href="http://www.communitywalk.com/">CommunityWalk</a> ins Leben gerufen. Wie bei Tagzania liegen die Daten beim Anbieter des Dienstes. Allerdings werden nicht in erster Linie Orte eingezeichnet sondern ganze Atlasbl&auml;tter mit mehreren Orten (am 4. Mai 2006 hatten 3682 registrierte Benutzer 5722 Karten produziert). Wie &ouml;ffentlich eine Karte sein soll und wer Orte darin eintragen darf, kann definiert werden. Die Beschreibungen der Atlasbl&auml;tter kann man absuchen, <strong>Orte sind</strong> hingegen <strong>tief verborgen</strong>. Jeden Ort kann die Kartographin einer Kategorie zuordnen. Es gibt weder Feeds noch Tags, aber man kann alle Karten anzeigen, die Orte der gleichen Kategorie enthalten. Ortsbeschriftungen kann man mit einem Bild schm&uuml;cken (z.B. von flickr) und kommentieren lassen. Karten kann man als <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/KML">KML</a>-File (z.B. f&uuml;r Google Earth) oder als iFrame exportieren.<br /><br />Der n&auml;chste Streich folgte mit <a href="http://www.wayfaring.com/">Wayfaring</a> im November 2005. Das Prinzip ist &auml;hnlich wie bei CommunityWalk: der Kartograph erstellt ein eigenes Atlasblatt, in das er mehrere Orte eintr&auml;gt. Bei Wayfaring wird jedoch unterschieden zwischen <strong>Wegmarken</strong> (waypoints) und <strong>Notizen</strong> (notes). W&auml;hrend Wegmarken global f&uuml;r alle Karten gelten, bleiben Notizen nur auf dem gew&auml;hlten Atlasblatt sichtbar. </p><p>Die Suchfunktion von Wayfaring beschr&auml;nkt die Resultate auf den gew&auml;hlten Kartenausschnitt, was sehr praktisch ist. Eigentlich sollten nicht nur die Beschreibungen der Atlasbl&auml;tter durchsucht werden sondern auch die Beschriftungen der Wegmarken, was bei meinen Versuchen jedoch nicht klappte. Es kann eingestellt werden, ob alle Betrachter oder nur die Sch&ouml;pferin der Karte &Auml;nderungen und Erg&auml;nzungen vornehmen d&uuml;rfen. Neben Bildern k&ouml;nnen auch <strong>Videos</strong> von Youtube in die Beschreibung von Orten eingebunden werden und Betrachter k&ouml;nnen Kommentare hinterlassen. Feeds gibt es nicht und die Karten k&ouml;nnen lediglich als iFrame in der eigenen Homepage dargestellt werden.</p><p>Schliesslich startet im Dezember 2005 mit <a href="http://platial.com/">Platial</a> ein weiterer kollaborativer Atlas. Die Welt ist wiederum organisiert in Orte und Karten(bl&auml;tter). Der Kartograph entscheidet, ob Karten f&uuml;r alle bearbeitbar sein, oder nur betrachtet werden sollen. Fremde <strong>Orte</strong> kann man <strong>sammeln</strong> und in eigene Karten einf&uuml;gen. </p><p>Die <strong>Suche</strong> von Platial ist <strong>gut</strong>: Sie erfasst sowohl Karten- als auch Ortsbeschreibungen und ist auf den aktuellen Kartenausschnitt beschr&auml;nkt. Die Ortsbeschreibungen kann man mit Bildern oder Videos anreichern und Betrachterinnen k&ouml;nnen kommentieren. Es gibt Tags und es gibt erstmals <strong>brauchbare Feeds</strong>, mit denen man sich auf Karten und auch auf deren Sch&ouml;pferinnen abonnieren kann. Exportiert werden die Karten als iFrame (Google Maps) oder als Flash-Objekt (Yahoo Maps). </p><p>Zur&uuml;ck zu den Wurzeln geht <a href="http://www.flagr.com/">flagr</a> (M&auml;rz 2006). Wie bei Tagzania tr&auml;gt die Kartographin alle Orte in <strong>eine einzige weltumspannende Karte</strong> ein. Neu gegen&uuml;ber Tagzania sind das Einbinden von Bildern (Flickr) und Videos (YouTube). Mitglieder k&ouml;nnen Orte kommentieren und es gibt einen Feed pro User mit dessen Orten. Flagr ist der einzige Dienst, der zur Zeit die detaillierten Strassenkarten von Goggle Maps anzeigt (Platial hat mir in einem Email angek&uuml;ndigt, in K&uuml;rze ebenfalls umstellen zu wollen).<br /></p><p>Soweit die kleine &Uuml;bersicht. Was wird sich behaupten? </p><p>Dienste, die aus <strong>einer einzigen Karte</strong> bestehen und lediglich Orte sammeln k&ouml;nnten sich in zwei Richtungen entwickeln:</p><ol><li><strong>Social Networking</strong>. Es dominiert das Interesse an Personen, die ihrerseits durch Orte charakterisiert sind. Die M&ouml;glichkeit Freunde einzuladen, ist bei flagr bereits realisiert.</li><li><strong>Geodatenbanken</strong>. Es w&uuml;rde mich nicht wundern, wenn Google selbst bald in dieses Gesch&auml;ft einsteigt. M&ouml;glicherweise wird letzteres allerdings nicht ohne ersteres gehen - schliesslich brauchen die fleissigen Datensammler auch eine Motivation, die Welt zu kartieren.</li></ol><p>Die <strong>kollaborativen Atlanten im engeren Sinn</strong> (Platial, Wayfaring, CommunityWalk) stehen vor der Herausforderung, die Erdkugel irgendwie sinnvoll zu unterteilen. Ich denke, sie m&uuml;ssen sich von einer allzu starren Fixierung auf die kartierende Person l&ouml;sen und das Raumkontinuum anders einteilen. Tags, die von mehrere Personen geteilt werden sind sicher ein Weg. Was ich mir w&uuml;nsche, w&auml;re ein Feed mit Orten, der durch Tags thematisch und durch einen bestimmten Kartenausschnitt geographisch gefiltert wird.</p><p>Das Problem der Abgrenzung im r&auml;umlichen Kontinuum sehe ich auch bei den Openguides. Der <a href="http://boston.openguides.org/mashup">Open Guide to Boston</a> beispielsweise ist ein Wiki f&uuml;r Boston. Doch die Google-Karte h&ouml;rt am Rande Bostons nicht auf. Nat&uuml;rlich w&auml;re es widersinnig, auf ihr Orte in England einzuzeichnen, auch wenn die Wurzeln eines guten Teils der Bev&ouml;lkerung durchaus in England liegen. Doch dazu ein andermal.</p><p><strong>Hinweis</strong>: Alle meine Angaben zu s&auml;mtlichen Diensten beziehen sich auf den 4. Mai 2006 und nicht auf den Tag, an dem die Sites online gingen.</p><p><strong>UPDATE</strong> (28. Mai 2006): Mit <a href="http://www.wikimapia.org/">WikiMapia</a> ist nun auch  im Wiki-Stil eine kollaborativer Globus online gegangen. Verkn&uuml;pfungen zwischen Google-Maps und Wikis gabs zwar schon vorher (die erw&auml;hnten Open Guides oder auch <a href="http://www.placeopedia.com/">PlaceOpedia</a>, wo es darum geht, allen Wikipedia-Artikeln den entsprechenden Ort auf einer Karte zuzuordnen) - aber &auml;hnlich wie bei flagr &uuml;berzeugt auch bei WikiMapia die Einfachheit: ein einziges Kartenblatt mit den gesammelten Eintr&auml;gen. </p><p>Ein Kr&auml;nzchen winden muss man WikiMapia f&uuml;r den guten Ansatz zur Mersprachigkeit - so etwas hatte man bislang vergebens gesucht. Ein weiterer Fortschritt ist die M&ouml;glichkeit, Fl&auml;chen statt Punkte einzuzeichnen. Die stur rechtwinklige Ausrichtung entlang der L&auml;ngen- und Breitengrade mag in <a href="http://www.wikimapia.org/#y=38897880&amp;x=-77037748&amp;z=15&amp;l=0&amp;m=a">manchen Gegenden</a> ganz gut funktionieren, anderswo ist das Ergebnis erwartungsgem&auml;ss <a href="http://www.wikimapia.org/#y=48852989&amp;x=2349878&amp;z=15&amp;l=0&amp;m=a">weniger befriedigend</a>.</p>
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		<author>
			<name>Oliver</name>
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		<title>Tyrannei des Textes</title>
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		<updated>2006-04-10T01:41:00+01:00</updated>
		<published>2006-04-10T00:27:00+01:00</published>
		<id>tag:etext,2006:etext.61</id>
		<link rel="related" type="text/html" href=""  />
		<summary type="text">Regisseur Peter Greenaway fordert die Befreiung des Films von der Tyrannei des Textes, denn der lineare Text des Drehbuchs zwinge den Bildern eine stumpfe Logik auf. Die Befreiung ist eine Befreiung von Linearität, das Resultat so etwas wie Hypertext. Aber gerade ein stur chronologisches Nacheinander schafft Ordnung, eine Ordnung, wie sie das Web 2.0 bringt.</summary>
        <content type="html" xml:lang="de" xml:base="http://www.etext.ch/archive/2006/04/10/tyrannei_des_textes"><![CDATA[
                <p style="margin-bottom: 0cm">Regisseur <strong>Peter Greenaway</strong> fordert die Befreiung des Films von der Tyrannei des Textes, denn der lineare Text des Drehbuchs zwinge den Bildern eine stumpfe Logik auf. Die Befreiung ist eine Befreiung von Linearit&auml;t, das Resultat so etwas wie Hypertext. Aber gerade ein stur chronologisches Nacheinander schafft Ordnung, eine Ordnung, wie sie das Web 2.0 bringt.</p><p>In der neusten Ausgabe von <a href="http://www.lettre.de/aktuell/72_Greenaway.html">Lettre International</a> ist ein interessanter Text Peter Greenaways (&laquo;The Cook, The Thief, His Wife &amp; Her Lover&raquo;, &laquo;Prospero's Books&raquo;) erschienen (das englische Original &laquo;<a href="http://petergreenaway.co.uk/essay3.htm">Cinema Militans Lecture &ndash; Toward a re-invention of cinema</a>&raquo; stammt aus dem Jahr 2003).</p><p>Greenaway m&ouml;chte das Kino von einer vierfachen Tyrannei befreien: Text, Rahmen, Schauspieler und Kamera. Ich will mich hier nicht als Filmkritiker aufschwingen und beschr&auml;nke mich stattdessen auf Greenaways Anklage der Text-Tyrannei. Der folgende Abschnitt bringts auf den Punkt:</p><blockquote><p>&laquo;Jeder Filmregisseur, von Ausnahmen abgesehen, braucht einen Text, bevor er ein Bild haben kann [...]. Angesichts der Entwicklung des Kinos [...] ist es ganz unm&ouml;glich, ein Studio oder einen Produzenten mit drei Gem&auml;lden, vier Drucken und einem Skizzenbuch voller Zeichnungen anzusprechen und als Belohnung die Unterst&uuml;tzung f&uuml;r eine Film zu erwarten. Der Film gilt als Kunst und als Industrie des Bildes; trotzdem haben wir es mit einem Kino zu tun, das auf Text basiert. In allen Filmen, die man zu Gesicht bekommt, kann man beobachten, wie der Regisseur dem Text folgt und, mit etwas Gl&uuml;ck, die Bilder als nachtr&auml;glichen Einfall dazu liefert.&raquo;</p></blockquote><p>Das klingt ganz &auml;hnlich wie das <a href="http://etext.ch/archive/2005/12/30/ist_text_genug">Pl&auml;doyer Julian Gallos</a> (Professor f&uuml;r Neue Medien) f&uuml;r einen echt multimedialen Journalismus. Die Medien h&auml;tten in den letzten 10 Jahren eine bestimmte Form entwickelt, ihre Geschichten auf dem Web zu erz&auml;hlen: </p><blockquote><p>&laquo;Das R&uuml;ckgrat bildet der Text [...] und darum herum entwickelt sich eine Reihe von Anh&auml;ngen anderer Inhalte wie Fotos, Audios, Videos und Links. [...] Der Autor k&uuml;mmert sich um die wichtigen Dinge (er schreibt) und andere Leute weiten den Text aus oder reichern ihn an [...].&raquo;</p></blockquote><p>F&uuml;r Gallo sind Flickr, Castpost oder YouTube das Sesam &ouml;ffne dich f&uuml;r einen neuen Journalismus. Greenaway verweist als Ausweg aus der Tyrannei des Textes auf seine <a href="http://netzspannung.org/cat/servlet/CatServlet?cmd=netzkollektor&amp;subCommand=showEntry&amp;entryId=115091&amp;lang=de">Tulse Luper Suitcases</a>, ein audiovisuelles Projekt mit Filmen, DVDs, Fernsehen, Web, B&uuml;cher, etc. :</p><blockquote><p>&laquo;Text pr&auml;gt normalerweise eine Filmerz&auml;hlung und liefert nat&uuml;rlich auch die Dialoge. Das konventionelle Kino sucht diesen schriftlichen Ursprung zu verbergen. In den Tulse Luper Suitcasese wird er nicht verschleiert; der Film ist so voll von Erz&auml;hlstr&auml;ngen, dass das narrative Element in der Flut untergeht. Im &uuml;brigen wird die Erz&auml;hlungen st&auml;ndig unterbrochen und durch Zusatzinformationen, Aufz&auml;hlungen und Nebenhandlungen fragmentiert, um die konventionelle narrative Kontinuit&auml;t aufzubrechen.&raquo;</p></blockquote><p>Das t&ouml;nt f&uuml;r meine Ohren nat&uuml;rlich nach Hypertext (und Greenaway mag da auch hingeschielt haben). Das t&ouml;nt f&uuml;r mich aber auch nach grosser Anstrengung f&uuml;r den Zuschauer. Insbesondere, wenn ich dann noch Greenaways Bemerkungen &uuml;ber die &laquo;Rahmen-Tyrannei&raquo; lese:<br /></p><blockquote>&laquo;Abel Gance entwickelte 1927 mit seinem Film Napoleon eine Projektion f&uuml;r drei Leinw&auml;nde [...]. 1927 drei 35-Millimeter-Projektionen zu synchronisieren war keine einfache Aufgabe [...]. Das konventionelle Kino kann und will bis heute keine Multiscreen-Projetkionen zeigen, und bis es soweit ist, muss die einzelne Leinwand unterteilt gesplittet und fragmentiert werden. Multiple Leinw&auml;nde implizieren die M&ouml;glichkeit einer Wahl. Es ist nicht einfach, alle Leinw&auml;nde gleichzeitig und mit gleicher Aufmerksamkeit zu betrachten [...].&raquo;</blockquote><p>Mir scheint, Greenaway gehe es eigentlich weniger ums Medium Text als um die Vorherrschaft vereinfachender, linearer Erz&auml;hlweisen. Text &ndash; besonders wenn er vorgelesen wird &ndash; zwingt Gedanken in ein striktes Nacheinander. Hypertext ist der Versuch, aus dieser sturen Linearit&auml;t auszubrechen. Doch es scheint mir, dass dieser Ausbruch auf wenig Begeisterung st&ouml;sst. Im Gegenteil. Techniken, die wieder lineare Zusammenh&auml;nge herstellen, werden gerade als Web 2.0 gefeiert.</p><p>Nehmen wir das Weblog. Wo Menschen fr&uuml;her wild in alle Richtungen wuchernde Homepages unterhielten, betr&auml;ufeln sie uns heute mit einem sittsam portionierten Erz&auml;hlfluss. Und der RSS-Reader: er hilft uns, aus dem Wirrwarr dutzender, wenn nicht hunderter Stimmen einen zeitlich geordneten, linearen Feed zu generieren. Noch weiter treibts der Podcast. Hier sorgt die Stimme des Produzenten auch gleich f&uuml;r den Rhythmus der Silben, W&ouml;rter und S&auml;tze.</p><p>Linearit&auml;t verspricht Sinn. Man bringt die Dinge in einen Zusammenhang. Doch genau das simulieren die Techniken des Web 2.0 eigentlich nur anstatt es wirklich zu leisten. Die Beitr&auml;ge eines Blogs haben nur einen beschr&auml;nkten Zusammenhang. In einen einzigen Feed aggregiert entsteht Sinn h&ouml;chstens auf der sehr abstrakten Ebene einer subjektiven Auswahl, im setzen eines Filters.</p><p>Ich bin unschl&uuml;ssig, welcher der beiden Tendenzen ich den Sieg w&uuml;nschen soll: ist es die Reduktion von Komplexit&auml;t durch linearisierende Techniken oder ist es die &Uuml;berwindung des Linearen durch wahrhaft multimediale Mixturen? Ich beobachte an mir selbst beides: </p><ul><li>ein Bed&uuml;rfnis nach Ordnung und &Uuml;bersicht, wie es eine chronologische Systematisierung mit sich bringen kann und <br /></li><li>eine Lust am Experiment, am Mehrdeutigen, wie ich sie bei Greenaway sp&uuml;re.</li></ul>
		]]></content>
		<author>
			<name>Oliver</name>
		</author>
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		<title>Leben Online oder wie man bloggt</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="http://www.etext.ch/archive/2006/03/28/leben_online_oder_wie_man_blog" />
		<updated>2006-03-29T22:26:00+01:00</updated>
		<published>2006-03-28T00:04:00+01:00</published>
		<id>tag:etext,2006:etext.59</id>
		<link rel="related" type="text/html" href=""  />
		<summary type="text">Mark Glaser sammelt Anworten auf die Frage, wie das Internet unser Leben verändert. Leben wir besser oder schlechter? Und warum? Zumindest eins ist sicher: ohne Internet wäre diese Frage nicht nur sinnlos, sondern auch schwierig zu stellen.</summary>
        <content type="html" xml:lang="de" xml:base="http://www.etext.ch/archive/2006/03/28/leben_online_oder_wie_man_blog"><![CDATA[
                Mark Glaser sammelt Anworten auf die Frage, wie das Internet unser Leben ver&auml;ndert. Leben wir besser oder schlechter? Und warum? Zumindest eins ist sicher: ohne Internet w&auml;re diese Frage nicht nur sinnlos, sondern auch schwierig zu stellen.<p>Im Oktober 2005 schrieb Guido Mingels im Magazin des Z&uuml;rcher Tages-Anzeigers einen Artikel mit dem Titel &quot;<a href="http://nutzbar.jot.com/ForumV2/Leben+mit+dem+Internet/ForumBeitrag6/ma05_41_181_v2.pdf">Die Revolution, die keine war</a>&quot; (pdf, 635kB). Fazit: 15 Jahre Internet haben die Welt nicht ver&auml;ndert. Der Artikel erntete Buhrufe aus der Blogger-Szene. In einem <a href="http://nutzbar.jot.com/">Wiki</a> sammelten <a href="http://konvergenz.kaywa.com/">Andreas G&ouml;ldi</a>, <a href="http://blog.nutzbar.ch/">Peter Hogenkamp</a> und <a href="http://starkcontent.typepad.com/">Robert Stark</a> Gegenargumente, die sie schliesslich per Leserbrief ans Magazin retournierten. </p><p>Nun, die Frage, inwiefern das Internet unserern Alltag ver&auml;ndert ist damit l&auml;ngst noch nicht beantwortet. Einen neuen <a href="http://www.pbs.org/mediashift/2006/03/open_source_reportingliving_li.html">Vorstoss</a> unternimmt zur Zeit (27. M&auml;rz 2006) gerade Mark Glaser in seinem Blog <a href="http://www.pbs.org/mediashift/">MediaShift</a>. </p><p>Hier ein paar Antworten:</p><blockquote><p><strong>Now</strong>: I use <a title="(external link)" target="_blank" href="http://calendar.yahoo.com/">Yahoo Calendar</a> to organize my schedule from multiple locations and multiple computers.<br /><strong> Before</strong>: I wrote items on a paper calendar that sat on my desk.<br /><strong> Change</strong>: I can have items emailed to me so I remember them better. I am dependent on having an online connection to see my daily calendar. </p><p><strong>Now</strong>: If I meet someone new, I find out who they are by Googling them and searching for their name online.<br /><strong> Before</strong>: If I met someone new, I would talk to common friends to find out more about them.<br /><strong> Change</strong>: I know more about people before getting to know them personally, or my perceptions are slanted by what I find out about them online. <br /></p></blockquote><p>Doch Glaser bel&auml;sst die Sache nicht bei eigenen Erfahrungen. Er startet gleich ein &quot;<strong>Open Source Reporting project</strong>&quot;, in dem er seine Leser bittet:<br /></p><blockquote><p>&quot;list some aspect of your life that you now live online, then explain how you used to do that before the web existed, and then explain how it has changed your life &mdash; for better or worse.&quot;</p></blockquote><p>Glaser zelebriert damit eine wesentliche formale M&ouml;glichkeit von Blogs - n&auml;mlich die, <strong>Feedbacks</strong> einzuholen. In seiner Rubrik &quot;<a href="http://www.pbs.org/mediashift/your-take/">Your Take</a>&quot; taucht  diese Form ganz regelm&auml;ssig auf, zum Beispiel:  </p><ul><li>What motivates you to do work for no pay?</li><li>When should a young child first use a computer?</li><li>What kind of video would you watch on a small portable screen?</li></ul><p>Damit hat das Internet die Kommunikation ver&auml;ndert:</p><blockquote><p><strong>Heute</strong>: Wenn ich eine Frage stellen, eine Diskussion anzetteln m&ouml;chte, poste ich einen Beitrag in meinem Blog. <br /><strong>Fr&uuml;her</strong>: Ich frage einer Hand voll Freundinnen und Kollegen L&ouml;cher in den Bauch.<br /><strong>Unterschied</strong>: Heute ist es leicht, Fragen in einem &quot;&ouml;ffentlichen&quot; Raum zu stellen, die Antworten sind damit weniger vorhersehbar, &uuml;berraschender. Dagegen f&ouml;rdert der direkte Kontakt Reaktionen zu Tage, die online keine (schriftlichen) Spuren provoziert h&auml;tten.<br /></p></blockquote><p>Glaser macht von mindestes zwei weiteren Formen des Bloggens expliziten Gebrauch. Da sind einmal &quot;<a href="http://www.pbs.org/mediashift/top-5/">The Weeks top 5</a> - People, Trends and Tech on Our Radar&quot;. Es handelt sich um eine w&ouml;chentliche Auswahl von f&uuml;nf Links, im besten Fall mit einer erkl&auml;renden Zeile erg&auml;nzt, ganz im Stil eines &quot;<strong>Filters</strong>&quot;, eines Blogs, dessen Eigenleistung ausschliesslich im Sammeln und B&uuml;ndeln von fremden Nachrichten besteht.</p><p>Weiter gibt es bei Glaser das <strong>Interview</strong> - oft in Form eines redigierten Mailwechsels. Die Fragen an Yossi Alpher (<a href="http://www.bitterlemons.org/">Bitterlemons.org</a>) und Ali Abunimah (<a href="http://electronicintifada.net/">Electronic Intifada</a>) &uuml;ber Onlinemedien in Pal&auml;stina sind ein <a href="http://www.pbs.org/mediashift/2006/03/digging_deeperinternet_gives_a.html">Beispiel</a>, das mir gut gefallen hat. Es zeigt auch, wie einfach es ist Grenzen zu &uuml;berschreiten - geographisch, konfessionell und medial. Hier bricht endlich einmal Blogger aus der Beschr&auml;nktheit seines medialen Dunstkreises - der Blogosph&auml;re - aus. <br /></p><p>Glaser ist mit dieser formalen Vielfalt sicher eine Ausnahme - die meisten Blogs nutzen wohl eher eine bis zwei <a href="http://www.well.com/~art/format.html">Formate</a>. Es d&uuml;rfte aber interessant sein, zu verfolgen, ob sich bei den Blogs ein eigener Kanon von differenzierten <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Journalistische_Darstellungsformen">Darstellungsformen</a> herausbildet, &auml;hnlich wie bei anderen Medien (Zeitung, Magazin, Radio, etc.). </p><p>Bisher galt ja das Blog selbst als Format, das sich dabei auch noch technisch definierte. Allerdings kann man mitlerweilen ganze Websites mit einem Blog betreiben und CMS verf&uuml;gen zunehmend &uuml;ber die technischen Features eines Blogs. Blogs werden zudem nicht nur von Einzelpersonen sondern immer h&auml;ufiger auch von Organisationen betrieben. Es d&uuml;rfte somit technisch wie organisatorisch immer schwieriger werden, Blogs von Nicht-Blogs zu unterscheiden. Potenzial hat dagegen die inneren Ausdifferenzierung in eine Vielzahl von Formaten.</p>
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		<author>
			<name>Oliver</name>
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