"Knochenreste zeigen, dass die Hominiden - von einigen ihrer Entdecker 'hobbits' genannt - nur einen Meter gross waren und ein Gehirn hatten, das ein drittel so gross war wie das eines modernen Menschen [...]. "Interessant zu vergleichen, wie die Geschichte auf der Titelseite angeteasert war:
"Forscher fanden bisher die Überreste von acht Individuen, die nur gerade einen Meter gross waren, mit Schädeln von der Grösse einer Grapefruit. Diese erstaunlich kleinen Leute - scherzhaft "Hobbits" genannt - stellten Werkzeuge her, jagten Mini-Elefanten und lebten zu einer Zeit, als moderne Menschen die Gegend besiedelten."Der Vergleich mit einer Grapefruit war offenbar schlagend. Der Spiegel etwa schreibt:
"Die Dame war etwa einen Meter groß, ihr Kopf hatte die Größe einer Grapefruit. Sie und ihre Verwandten lebten von der Jagd: Miniaturausgaben des Urzeit-Elephanten Stegodon standen auf dem Speiseplan, Fledermäuse, Vögel - und gelegentlich möglicherweise ein Drache."Nicht gut genug war das Bild offenbar für Science:
"Die Forscher entdeckten den Schädel und das Skelett eines erwachsenen weiblichen Individuums mit der Hirngrösse eines kleinen Schimpansen".Die Forscher selbst hatten geschrieben:
"Wir berichten die Entdeckung eines erwachsenen Homininen aus dem späten Pleistozän von Flores, Indonesien, mit einer Statur von ungfähren 1 m und einem Schädelvolumen von 380 cm3 - gleich wie jenes der kleinsten bekannten Australopithecus."Das Klischee einer kolonialen, verwunschenen, Welt mit Jahrmarkt- und Schausteller-Elementen hat grosse Anziehungskraft. Kein Wunder konnte es sich in den berichtenden Medien gut durchsetzen. Schon das Communiqué der australischen Universität von Neu England, zu der die Hauptautoren des Artikels gehören, stösst in diese Richtung und titelt "Skelett enthüllt verlorene Welt der kleinen Leute".
Abgeschickt von rolf keller am 13 Juni 2008 - 11:09