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+ 38 - 32 | Wissenschaft nach der Wiki-Methode

Publiziert am 05 Dez '05 - um 02:10 unter den Stichworten: Kooperation, Wissenschaft
Wissenschaftlerinnen bauen mit ihren Erkenntnissen auf bestehendem Wissen auf. Nach den Regeln der Kunst sind sie verpflichtet, dies auch transparent zu machen - durch Quellenangaben und Zitate. Ständige Erweiterung und Korrektur sind die Prinzipien eines Wikis. Warum also publizieren Wissenschaftler nicht in der Wikipedia statt in Papers?
In einem Beitrag über maschinelles Lernen (wo es beispielsweise darum geht, Computer so zu programmieren, dass sie selbst Gesetzmässigkeiten erkennen und das eigene Programm entsprechend anpassen) spekuliert John Langford über neue Möglichkeiten des Internets -- speziell der Wikipedia -- für die Wissenschaft.

Die Wikipedia ist schon heute ein nützliches und weit verbreitetes Nachschlagewerk. Doch dies ist erst der Anfang. Die "Wikifuture" wird so gut sein, "dass sie einen umfassenden Überblick gibt zur aktuellen Forschung über maschinelles Lernen. Von einem gewissen Punkt an [...] beginnen wir den Informationen auf Wikipedia mehr Gewicht (und Ansehen) zu geben. Dieser Prozess verstärkt sich bis zu dem Punkt, wo wir sagen: 'wenn es nicht in der Wikipedia ist, existiert es nicht'."

Allerdings sind die Möglichkeiten, mit Wikipedia Anerkennung zu ernten beschränkt. "Eine Liste der Änderungen, welche von einem Benutzerkonto aus gemacht wurden, ist alles. Karriereentscheidend [wie beispielsweise ein Zitat in Nature] ist das natürlich nicht."

Kooperatives Texten hätte nach Meinung Langfords aber noch weitere Vorteile: "Wir stellen fest, dass es in zwei Papers zum gleichen oder einem ähnlichen Thema viel Redundanz gibt. Sie teilen Einleitung, Motivation und oft auch Definitionen. Würden diese gemeinsamen Teile vereinigt, träte der Inhalt der beiden Papers klarer zu Tage. [...] Das Schreiben eines Papers bestünde schliesslich einfach darin, eine Webseite neu zu kreieren oder eine bestehende anzupassen. Wir könnten dies alles tun, ohne den Mechanismus der Peer-Reviews aufzugeben [...]. Das Reviewen würde sogar einfacher, weil das Ergebnis im Kontext beurteilt werden könnte."

Ich finde Langfords Ideen interessant. Kritisch hinterfragen muss man allerdings das hier demonstrierte Wissenschaftsverständnis. Wissen gilt als grosses Gebäude, bei dem man Stein um Stein in die Höhe baut, vielleicht hier und da mal genauer prüft und gar einen Stein wieder abreisst, weil sich eine Hypothese nicht erhärtet. Doch spätestens seit Kuhn wissen wir auch, dass Wissenschaft zuweilen in revolutionären Wellen abläuft - und da macht es wenig Sinn, Einleitungen, Definitionen, etc. voneinander abzuschreiben.

[via SmartMobs]


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